Neben der Farbgebung spielt für die Wahrnehmung auch das Muster einer Fläche oder eines Raumes eine große Rolle.
Besonders auffällig ist diese Tatsache bei Babys: Beobachtet man ihr Verhalten und das Interesse, das sie für verschiedene Objekte und Orte zeigen, so wird man schnell erkennen, dass sie besonders gern auf gemusterte Flächen schauen und diese ihren Blick deutlich länger fesseln, als einfarbige.
Der Grund dafür ist, dass das Auge eines Säuglings noch nicht voll entwickelt ist und er nur über eine eingeschränkte Sehschärfe verfügt, die erst etwa ab dem 8. Lebensmonat mit der eines Erwachsenen vergleichbar ist.
Im Gegensatz zu Erwachsenen, in deren Augen ca. 65 % des einfallenden Lichtes die Zapfen erreicht, sind es bei Säuglingen zu Anfang gerade einmal 2 %.
Diese Tatsache ist dafür verantwortlich, dass Babys besonders auf stark kontrastierende Muster, wie beispielsweise Streifenmuster in Schwarz und Weiß, reagieren, denn sie erleichtern durch den hohen Kontrast die Wahrnehmung und wecken so das Interesse des Kindes. Im Kinderzimmer entlocken kontraststarke Wandtattoos den Babys erste Glückslaute. Da Wandtattoos nur aus einer Farbe bestehen, die sich häufig von der Wandfarbe abhebt, ist hier gewährleistet, dass das Baby den Kontrast sehr gut wahrnimmt. Bei anderen Dingen wie z.B. Fotos mit Farbverläufen werden anfangs noch Konturen vermischt.
Diese Eigenschaft wird in der Medizin genutzt, um frühzeitig eventuelle Sehschwächen zu erkennen. Wenn Ihr Kind bei der Länge und Intensität der Betrachtung kaum einen oder gar keinen Unterschied zwischen einfarbigen und stark gemusterten Flächen macht, so besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine Sehschwäche vorliegt, die Sie rechtzeitig beim Arzt abklären lassen sollten.